Bitcoins – "Die" neue Währung?

In letzter Zeit gab es immer wieder Meldungen über eine Währung, die sich "Bitcoins" nennt. In einem Portal für Drogen-Ankäufe soll damit bezahlt werden können, Anonymus-Mitglieder rufen zu Bitcoin-Spenden auf, langjährige Anhänger dieser Währung beschweren sich über den Verlust von Bitcoins in Höhe einer halben Million US-Dollar…

Was aber sind diese "Bitcoins" eigentlich?

Zusammen gefasst aus meinen eigenen Test und den damit verbundenen Erkenntnissen der letzten Tage: Bitcoins sind eine digitale "Währung", die aus berechneten Hashwerten besteht und die bei einem logistischen Wachstum erzeugt werden können.

Wie kommt man zu Bitcoins?

Wenn einer der im Video angesprochenen Miner, die in den frühen Zeiten des Projekts noch mit reiner CPU-Power liefen, heute aber schon die Rechenleistungen von High-End-GPUs benötigen, einen gültigen Block mit Bitcoins berechnet, werden dem Finder nach einer Überprüfung des Funds durch andere Miner die in diesem Block enthaltenen 50 Bitcoins gut geschrieben.

So viel zur Theorie. In der Praxis ist – wie gerade erwähnt – jeder Rechner, der keine entsprechend schnelle Grafikkarte besitzt, sowieso schon nicht geeignet diese Blöcke zu finden. Natürlich werden viele meiner Leser sich jetzt denken "Cool. Mein Gaming-Rechner ist eine Gelddruckmaschine!". Mag sein aber der Lottoschein, den Ihr beim wöchentlichen Einkauf ausfüllt bringt euch genauso viel.

Es gibt inzwischen ganze Rechenpools, die nur daran arbeiten neue Blöcke mit Bitcoins zu finden. Nehmen wir den DeepBit-Pool: Nach eigenen Angaben liegt die Rechenleistung des Pools zum aktuellen Zeitpunkt bei 5464 Gh/s also bei 5464 Milliarden Hashs pro Sekunde. Die mir zur Verfügung stehenden Rechner kommen auf 5.2 - 8.0 Millionen Hashs pro Sekunde bei voller Auslastung der GPU.

Um einen "Share" für den Pool zu berechnen brauche ich im Schnitt etwa 2.5 Minuten. Wenn ich die Statistiken des Pools anschaue, braucht es in etwa 1876921 - 2151246 Shares pro gefundenem Block und mit jedem Fund wird die Schwierigkeit höher noch freie Blöcke zu entdecken. Gehe ich also davon aus ich wollte ohne den Pool selber Bitcoins erhalten um nicht nur einen minimalen Bruchteil der 50 BTC einzustreichen sondern alle, bräuchte ich bei meiner Rechenleistung in etwa 3497 Tage um einen Block zu finden.

In der Berechnung für den Pool werden die 50 BTC durch die Anzahl der eingesendeten Shares (abzüglich eines Prozentsatz für den Poolbetreiber) geteilt und dann für jeden, der Shares eingesendet hat multipliziert. Das heißt also bei den oben genannten Zahlen würde jeder eingesendete Share 0.0000248251872 BTC einbringen.

Und was ist das Ganze dann Wert?

Wie bei jeder "Fremdwährung" gibt es auch bei Bitcoins Schwankungen in den Umrechnungskursen. Jetzt aktuell liegt der Umrechnungskurs gemäß der Wechselseite Mt.Gox bei 9.70 USD / 1 BTC. Gehen wir zur Einfachheit von 10 USD / 1 BTC aus und sehen, dass der eingesendete Share im Endeffekt nichts (einen 100stel USD-Cent) wert ist.

Nimmt man also den aktuellen Umrechnungskurs, hätte der oben im Artikel erwähnte Besitzer der Bitcoins auch "nur" eine viertel Million USD verloren und keine halbe. Aber wie gerade erwähnt: Betrachtet einmal das Verhältnis zwischen EUR und USD. Das schwankt genau wie das Verhältnis von USD zu BTC, nur nicht so stark, da EUR und USD aktuell deutlich stabilere Währungen sind. Aber auch hier wird durch Angebot und Nachfrage der Kurs der Währungen zueinander verändert.

Warum ist es möglich eine halbe (oder viertel) Million USD zu stehlen?

Um das zu beantworten muss man sich anschauen, wie Bitcoin-Transfers geschehen. Jeder Bitcoin gehört zu einer eindeutigen Adresse, zu der er transferiert wurde. Von diesen Adressen können in einem "Wallet" beliebig viele gespeichert sein. Somit ist jede Adresse im übertragenen Sinn ein Konto oder auch einfach ein Geldschein mit einem bestimmten Wert in der Geldbörse. Bei der Weitergabe wird allerdings nicht die Adresse transferiert sondern nur ihr Wert.

Durch die Art der Speicherung entsprechen Bitcoins prinzipiell also Bargeld. Man steckt es in eine Geldbörse und auf diese muss aufgepasst werden. Erlange ich als Dieb die Kontrolle über eine Geldbörse bzw. ein "Wallet", kann ich mit dem enthaltenen Geld machen was ich will. Im Endeffekt transferiere ich es zu einer anderen (meiner) Geldbörse.

Da es für Bitcoins keine (verlässlichen) Banken gibt, ist also jeder für sein eigenes Vermögen verantwortlich. Das ist so als ob euer Arbeitgeber das Gehalt am Ende des Monats bar in eure Hand legen würdet und Ihr es in eure Geldbörse steckt. Lasst Ihr sie unachtsam auf einem Tisch herumliegen, ist der Inhalt weg und Ihr habt ein Problem. Exakt so verhält es sich auch mit Bitcoins. Es gibt keinerlei Sicherheitseinrichtungen, wenn euer "Wallet" in die falschen Hände gerät.

Und was sagt mir das jetzt alles?

Mein Fazit zum ganzen Thema ist, dass es sich in der heutigen Zeit (und auch zukünftig bis zum Erreichen der Maximalanzahl Bitcoins) nicht lohnt darauf zu hoffen selber mit dem eigenen Rechner ein 50 BTC Paket im Wert von fast 500 USD zu finden. Diese Funde werden sich unter den großen Rechenpools aufteilen.

Um also Bitcoins zu erhalten müssen sie entweder über den Devisenhandel (USD zu BTC oder EUR zu BTC) erworben werden oder sie werden euch überwiesen. Theoretisch könnte ich mir als Freelancer also meine Vergütung in BTC auszahlen lassen. Davon kann ich zwar weder meine Miete bezahlen noch mein Essen im Supermarkt aber ich könnte hoffen mit einem guten Umrechnungskurs Gewinn zu machen.

Gemeinhin wird das als Devisenspekulation bezeichnet und passiert im ganz alltäglichen Wechselgeschäft zwischen den bestehenden Währungen. Ich könnte für den gleichen Effekt also auch meine Vergütung in USD auszahlen lassen und dann zu einem günstigen Zeitpunkt in EUR umtauschen.

So nehmen die Bitcoins meiner Meinung nach den gleichen Status ein wie "damals" die Klammlose. Sie existieren in einem geschlossenen Kreis, können zwar erworben und verkauft werden, werden aber wahrscheinlich aus diesem Kreis nicht heraus kommen, da die Akzeptanz nicht hoch genug ist. Um BTC als Bezahlung zu akzeptieren, müsste ich permanent auf die Schwankungen im Wechselkurs reagieren und meine Rechnungen entsprechend stellen. Dass das Finanzamt über Rechnungen mit Währungen, die offiziell nicht einmal anerkannt sind, nicht allzu gut reagiert, brauche ich da wahrscheinlich nicht mehr erwähnen. 

Somit drücke ich dem Projekt zwar die Daumen aber erkläre meinen persönlichen Versuch für gescheitert und würde dem Projekt aktuell keine großen Zukunftsaussichten bescheinigen.

Wie sieht es bei euch aus? Seid Ihr schon einmal mit Bitcoins in Kontakt gekommen oder habt sogar einen nutzbaren Bereich gefunden? Ich würde mich über Kommentare und Meinungen zum Thema hier in der Kommentarfunktion freuen.