Cloud - Was ist das eigentlich?

Es ist in aller Munde, jeder will es haben und gefühlt bietet es inzwischen jede einzelne Firma auf diesem Planeten an: Die Cloud. Mal ist es die "Amazon Cloud", mal die "iCloud", hin und wieder die "Telekom Cloud" oder auch einfach nur die "Cloud". Verschiedene Bezeichnungen und im Endeffekt eine einzige Verwirrung darüber, was man nun bekommt wenn man dieses "Cloud-Dings" hat. Ich möchte in diesem Artikel einmal versuchen möglichst leicht verständlich darzulegen, was diese ominöse "Cloud" eigentlich ist. Techniker sollten evtl. einfach weiter gehen denn für euch wird es nichts neues geben.

Was ist die Cloud nicht?

Fangen wir hiermit einmal an um die häufigsten Werbeaussagen zu relativieren und eine neue Grundlage zu schaffen um das Cloud-Bild neu aufzubauen: "Die Cloud" kann nicht alles. Man kann keine Bilder in "die Cloud" werfen und auf magische Weise hat man Abzüge und alle Verwandten sehen die Bilder. Die Cloud ist in den meisten Fällen nicht wirklich sicher. Die Cloud ist nicht nur eine bessere Dateiablage. Die Cloud ist kein Backup.

Der Boden der Tatsachen

Im Endeffekt ist die Cloud nichts anderes als ein großes Netzwerk aus Servern. Nichts mystisches mit viel Magie und am Himmel schwebenden Wolken. Netzwerke aus Servern gibt es seit vielen Jahren. Das Internet ist zum Beispiel so ein Netzwerk. Das was uns heute allenthalben als "die Cloud" verkauft wird ist also im Endeffekt nichts neues. Naja gut früher konnte nicht jeder normale Internetnutzer seine Daten auf diesen Servern überall in der Welt ablegen. In so fern ist es schon etwas neues.

Jetzt sagte ich, dass die Cloud nicht alles kann. Gerne wird in Meetings mit Marketing-Menschen die Cloud als universale Lösung für jedes Problem verkauft. Ganz ehrlich: Oftmals gibt es deutlich bessere und viel erprobtere Lösungen. Die Cloud ist halt kein superintelligentes Wesen, welches alle Daten in sich hinein aufnimmt und dann die Lösung für alle Probleme produziert.

Auch wenn Microsoft gerne in seinen Werbespots bewirbt, dass die Mutter alle Bilder in die "Microsoft Cloud" wirft und schon können alle Verwandten sie betrachten und sie sind perfekt bearbeitet und alles ist schön, die Sonne scheint und alle haben sich lieb, sieht die Realität leider etwas anders aus. Zuerst: Ja, Microsoft hat eine Lösung, mit der man Bilder an Personen teilen kann. Leider hat diese Lösung bisher aber keinen Zugriff auf das Gehirn des Nutzers, so dass man immer noch selber auswählen muss, wer die Bilder sehen darf. Die magische Bildbearbeitung vom Urlaubsschnappschuss mit der 40-Euro-Kompaktkamera mit unendlichem Digitalzoom zum perfekten Bild, welches eines Profifotografen würdig ist konnte mir leider auch noch nicht präsentiert werden. Die Realität sieht auch hier wieder so aus, dass zwar Werkzeuge bereit gestellt werden, die es vereinfachen ein Bild zu bearbeiten, es aber trotzdem nicht möglich ist aus einem schlechten Bild ein perfektes Bild zu machen.

Was die Sicherheit in "der Cloud" betrifft, sieht es bei vielen Diensten zappenduster aus. Sehr viele der Anbieter sitzen in den USA und müssen - so die Gesetze - den Strafverfolgungbehörden auf Wunsch Zugriff auf die Daten gewähren. Klar, natürlich haben wir alle nichts zu verbergen aber wollt Ihr wegen eurer Diplomarbeit über die Soziologie von Terroristen wirklich bei eurem nächsten Besuch in den USA ein langes Gespräch mit den Leuten der Homeland Security führen? Außerdem kann es durch eine Sicherheitslücke jederzeit passieren, dass jede beliebige Person auf die Daten in eurem Account zugreifen kann. Im Zweifel sieht also die Frau die eingescannten Briefe der Freundin… Es gibt auf jeden Fall auch Dienste, die alle Daten nur verschlüsselt speichern aber die sind leider selten und wenig genutzt.

Nicht jede "Cloud" der verschiedenen Anbieter ist eine Dateiablage. Viele Cloud-Anbieter bieten auch gleichzeitig ein wenig Speicherplatz an, allerdings ist das nicht unbedingt das Hauptgeschäft aller Anbieter. Einige bieten nur Musik an oder vielleicht noch ein wenig Platz für das Backup des Handys aber keine Möglichkeit selber Dateien hoch zu laden.

Die Cloud ist kein Backup: Natürlich kann die Speicherung der Dateien in einem Cloud-Dienst eine Möglichkeit sein, mit der das eigene Backup gemacht wird. Leider verlassen sich viele Menschen dann darauf, dass die Datei ja in der Cloud liegt und nichts passieren kann. Was ist nun aber wenn der Cloud-Anbieter entscheidet sein Angebot sei für ihn nicht lukrativ genug und schaltet es ab? Eure Daten sind plötzlich wieder nur an einer Stelle: Auf eurer Festplatte. Geht die kaputt habt Ihr das gleiche Problem wie ohne das Cloud-Backup – sie sind weg.

Und was soll das dann überhaupt?

Jetzt kommt das paradoxe an diesem Artikel: Die Cloud ist für all das da, dem ich gerade widersprach. Nein, das ist kein Versuch euch zu verarschen sondern einfach die Realität. Es gibt für jeden Zweck inzwischen einen Anbieter, der mit einem "Cloud"-Dienst genau das erfüllt was ich oben aufgeführt habe. Allerdings erfüllt nicht jeder Anbieter das, was Ihr gerade braucht.

Wenn Ihr kurz (unwichtige) Dateien teilen wollt, kann Dropbox euch helfen. Wenn Ihr Bildergalerien wollt, kann euch Picasa helfen. Wenn Ihr eure Daten verschlüsselt und sicher ablegen wollt, kann euch TeamDrive helfen. Wollt Ihr Filme schauen, gibt es sie bei Maxdome, der Telekom, Amazon oder iTunes in den dazugehörigen "Clouds". Musik zum Beispiel gibt es ebenso bei Amazon, Simfy, Spotify, iTunes und anderen Anbietern.

Aber zum Beispiel eignet sich ein Anbieter, der die Daten sehr gut verschlüsselt nicht dafür eine Datei mit euren Twitter-Followern zu teilen. Dazu müssten viel zu viele Leute die Möglichkeit haben die Datei wieder zu entschlüsseln. Dropbox hingegen eignet sich eher weniger um Musik zu streamen.

Um ein Backup eurer Daten zu machen, müsst Ihr euch überlegen wie die Cloud-Anbieter in euer Konzept passen: Die Bankdaten unverschlüsselt auf einem fremden Server speichern? Eher nicht! Wirklich eure 2TB Festplatte mit Filmen zu einem Cloudanbieter legen? Einerseits sehr teuer, andererseits würde es bei einer durchschnittlichen DSL 6000-Leitung in etwa 331.4 Tage dauern diese Daten überhaupt hochzuladen.