Depression - Krankheit oder Modeerscheinung?

Die Medien berichten darüber immer nur in Einzelfällen. Mal ist es ein Fußballspieler und mal ein Schauspieler, die in das Rampenlicht rücken, weil sie ihr Leben beendet haben. Wieder und wieder hört man es im Radio, dem Fernsehn oder liest es in den Zeitungen: "Er litt an Depressionen [...]"

Immer wieder fordern Angehörige, Presse, Ärzte oder andere Personen, die in irgend einer Weise meinen etwas zu sagen zu haben, dass man sich doch mit dem Thema auseinander setzen solle und was passiert? Ein paar Tage lang plappert die Presse es nach, selbsternannte Experten treten im Fernsehn auf und erzählen wie schlimm doch alles sei und an welchen Symptomen man die Krankheit erkennen könne.

Wahrscheinlich verzeichnen dann in den darauf folgenden Tagen die Mediziner, die es sich zur Aufgabe gemacht haben sich mit dem Thema zu beschäftigen, einen Anstieg der Personen, die mit "Depressionen" zu ihnen kommen. "Oh mir geht es so schlecht. Ich habe ganz sicher Depressionen. Ich fühle mich so krank..." Und vermutlich können es die Ärzte nicht mehr hören aber müssen sich trotzdem um das Thema kümmern.

Aber auch zwischendurch liest man es in Foren, Twitter oder sonstigen Medien: "Ich will nicht mehr am xx. werde ich mir das Leben nehmen!" - Ein Aufschrei geht durch die Szene und alle sind besorgt um denjenigen. Nein er wird doch nicht oder? Jeder versucht irgendwie zu helfen, ihn davon abzubringen und erreicht in den meisten Fällen wohl genau das wozu es bezweckt war: Die Person bekommt ihre 5 Minuten Aufmerksamkeit. Vielleicht kennt sogar einer der Besorgten die Adresse und Polizei, Rettungsdienst und der Tischler für die neue Tür treffen pünktlich zum angegebenen Termin an der Adresse ein um festzustellen, dass die Person gerade mit einem kühlen Bierchen auf der Couch liegt und sich in der Aufmerksamkeit wälzt.

Wundert es da noch, dass die Personen, die wirklich unter Depressionen leiden und nicht nur gerade einen schlechten Tag haben oder niedergeschlagen sind lieber schweigen anstatt sich dazu zu äußern? Entweder würde es sowieso ignoriert und es würde niemanden interessieren weil "er ja sowieso nur simuliert" oder aber alle kämen angestürmt und eine Welle von Mitleid ergiesst sich über den Betroffenen. Mitleid? Warum eigentlich?

Wie in einer der Diskussionen um ein prominentes "Opfer" schon dargestellt wurde werden in unserer Gesellschaft diejenigen, die Schwäche zeigen auch so behandelt. Wer nicht mit der Schrittgeschwindigkeit der Gesellschaft mithalten kann wird ausgesondert. Keinen Job weil zu schwach, keine Perspektive kurzum vergessen. In eine trostlose Situation gedrängt aus der dann oft in den Augen der Betroffenen nur noch ein Weg führt...

Was also bringt das Mitleid derer die sich selber für stark halten oder es einfach nicht wahr haben wollen, dass sie selber auch verletzlich und schwach sind? Es bringt dem Betroffenen nichts. Also warum die Aufmerksamkeit erregen? Lieber das Beste aus der Situation und die sprichwörtliche "Gute Miene zum bösen Spiel" machen.

Fragen wir uns also was genau uns die Medien damit mitteilen wollen, dass wieder ein Mensch Opfer seiner Depressionen wurde. In den meisten Fällen wahrscheinlich gar nichts. Woher genau wissen Bild, MoPo oder der Radiosender von Nebenan eigentlich, dass derjenige unter Depressionen litt? Falls ein behandelnder Arzt existierte gilt für ihn auch nach dem Tod des Betroffenen weiterhin die Schweigepflicht. Da hilft es auch nichts, dass die Person eine Person öffentlichen Interesses war. Verwandte? Wohl eher nicht. Freunde? Wohl eher auch nicht. Bliebe also noch die Spekulation irgendwelcher Menschen, die meinen genug Sachverstand zu haben um soetwas beurteilen zu können.

Ich für meinen Teil bin kein Arzt, der sich auf diesen Bereich der Medizin spezialisiert hat. Ich maße es mir nicht an zu behaupten, dass ich Depressionen - noch dazu bei anderen Menschen - diagnostizieren kann. Daher gehe ich davon aus, dass es die Mehrzahl der Menschen ebenfalls nicht kann.

Am meisten allerdings ärgere ich mich persönlich über die Leute, die dann in Interviews groß von sich geben "Aber vorgestern habe ich noch mit ihm gesprochen. Da war alles noch in Ordnung und er hat noch Späße gemacht.". Na herzlichen Glückwunsch. Was meint Ihr eigentlich woran man in einem Gespräch auf der Straße erkennen will, dass derjenige Depressionen hat? Was meint Ihr eigentlich warum man das dann noch nicht vorher erkannt hat? Meint Ihr ernsthaft dass Depressionen so von einem Tag auf den anderen auftauchen und vorher nie da waren? Meint Ihr nicht, dass derjenige es in unserer Gesellschaft gelernt hat keine Schwächen zu zeigen und die wirklichen Gefühle und Gedanken zu verbergen? Hat sich eigentlich einer von euch vorher mal die Mühe gemacht sich mit der Person wirklich zu beschäftigen?

Wirklich Beschäftigen... Was genau war das eigentlich? "Hey guten Morgen, wie gehts dir heute?" - "Gut. [In Gedanken: Wie soll es mir auch sonst gehen oder hätte es dich wirklich interessiert?]" - "Das ist schön." Und genau aus diesem Grund halte ich auch die Frage "Wie geht es dir?" für genau die Frage bei deren Antwort am Meisten gelogen wird. Probiert es mal aus. Antwortet mal nicht mir dem üblichen "Gut." oder "Passt schon." sondern mit der Wahrheit. Wie schnell dann der Gegenüber das Interesse an dem Gespräch verliert oder euch als "Jammerlappen" betitelt...

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